Tests 20.12.2016, 08:35 Uhr

Test: Oculus Touch

Am 6. Dezember veröffentlichte Facebook endlich Oculus Touch. Doch was genau leisten die neuen Bewegungs-Controller überhaupt? Und welche Spiele lohnen sich?
Objekte greifen, Schalter hineindrücken, anderen zuwinken – viele VR-Spiele können ihr volles Potenzial erst dann entfalten, wenn der Spieler über virtuelle Hände verfügt. Mit den Fr. 213.– teuren, seit dem 6. Dezember 2016 verfügbaren Oculus Touch Controllern erhalten Sie letztendlich genau das: Zwei kabellose, sehr ergonomisch geformte Eingabegeräte, die in vielen Oculus-Rift-Spielen zwei virtuelle Hände repräsentieren.
Das Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu konkurrierender Technik wie den Steam VR Controllern der Vive oder den Move Controllern für PlayStation VR: Das System kann mithilfe eingebauter Näherungssensoren erkennen, ob Sie den Daumen anwinkeln, den Zeigefinger ausstrecken oder mit den verbleibenden drei Fingern zugreifen oder nicht. Hinzu kommen zwei sehr präzise arbeitende Mini-Analogsticks, diverse Vibrationsmodi, eine Vielzahl clever platzierter Aktionstasten, zwei leicht verstellbare Handschlaufen sowie ein Gewicht von gerade einmal 160 Gramm pro Controller (Steam VR Controller: 200 Gramm).
Doch auch andere Faktoren wissen zu überzeugen. Los gehts mit einem klar strukturierten Installationsprozess. Anhand von Texten, Animationen und kleinen Videoclips wird hier schnell und anschaulich erklärt, wie Sie die mitgelieferten AA-Batterien einlegen, wo Sie den zusätzlichen, im Lieferumfang enthaltenen Sensor am besten platzieren und wie man das sogenannte Guardian System konfiguriert. Letzteres funktioniert ganz ähnlich wie das Chaperone System der HTC Vive und blendet immer dann virtuelle Barrieren ins Sichtfeld ein, wenn Sie einen zuvor festgelegten Spielbereich verlassen – je nach verfügbarem Platz eine Fläche von 2 x 2 Metern.
Pluspunkte von Oculus Touch: leicht, handlich und gut verarbeitet

Endlich Roomscaling

Alles erfolgreich eingerichtet, dürfen Sie sich dann direkt mit «Oculus First Contact» austoben – eine sehr liebevoll gemachte, interaktive Demo mit einem kleinen Roboter in der Hauptrolle. Er bringt Ihnen auf spielerische Art und Weise die zahlreichen Möglichkeiten der Controller näher. Gespielt wird hier – wie bei so vielen Oculus-Touch-Titeln – im Stehen. Zahlreiche der über 70 bereits erhältliche Touch-Spiele können Sie aber auch ganz entspannt im Sitzen erleben.
Spannend: Stellt man die beiden Sensoren diagonal zueinander im Raum auf – was in der Regel ein USB-Verlängerungskabel erfordert – ist bei einigen Games experimentelles 360-Grad-Roomscaling möglich. Heisst: Sie können sich dann auf einer recht überschaubaren Fläche von 1,5 x 1,5 Metern frei bewegen. Echte VR-Enthusiasten dürfen zudem einen dritten Sensor für Fr. 95.– nachrüsten, wodurch sich die Grösse des Spielfelds auf 2,5 x 2,5 Meter erweitert und die Präzision nochmals verbessert wird. Einziges Manko bei diesem Setup: Das leider nur 3,8 Meter lange Kabel vom Rift-Headset zum Rechner. Zum Vergleich: Bei der Vive misst dieses 5 Meter.
Mehr Infos zu den derzeit verfügbaren Touch-Spielen gefällig? Dann einfach umblättern. Hier haben wir die sechs interessantesten Starttitel für Sie zusammengestellt.
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Oculus Touch Games im Überblick

Oculus Touch Games im Überblick

The Unspoken

Entwickler: Insomniac Games
Preis: 29.99 USD (für Vorbesteller kostenlos)
Komfortstufe: angenehm
Mit The Unspoken beweist das renommierte US-Studio Insomniac Games (The Edge of Nowhere, Ratchet & Clank) einmal mehr, dass es sich in der virtuellen Realität bestens auskennt. Die Spielidee: Zwei Magier – jeweils auf meterhohen Säulen stehend – duellieren sich in verschiedenen Arenen mit effektreich inszenierten Zaubersprüchen. Gewinner ist, wer seinem Gegenüber zuerst sämtliche Lebensenergie abzieht.
The Unspoken: Auch grafisch ist «The Unspoken» ein echter Leckerbissen
Taktischen Tiefgang erhält das Ganze durch verschiedene Faktoren. Beispielweise müssen Sie sich in jeder Arena möglichst clever positionieren, denn existiert keine Sichtlinie zum Feind, gehen Feuerball und Co. schlichtweg ins Leere. Des Weiteren spielen das regelmässige Einsammeln von Mana, der geschickte Einsatz eines Schutzschilds und korrektes Timing beim Ausweichen und Zaubern eine wichtige Rolle. Kurzum: Das perfekte Spiel für Harry-Potter-Fans und alle, die es werden wollen.

The Climb

Entwickler: Crytek
Preis: 49.99 USD
Komfortstufe: anspruchsvoll
Freiklettern ist nicht nur gefährlich, sondern auch körperlich ziemlich anstrengend. Nicht so in The Climb des deutschen Entwicklers Crytek. Hier kraxeln Sie im Handumdrehen an spektakulären, über den gesamten Globus verteilten Felswänden empor. Die Herausforderung ist dabei in allen Fällen gleich: Das Gewirr aus Haltemöglichkeiten effizient nutzen, um möglichst schnell verschiedene Checkpunkte zu passieren und dann auf dem Gipfel einen famosen Panoramablick zu geniessen.
The Climb: Seit dem Oculus-Touch-Update können Sie auch eisklettern
Gespielt wird, wie es der hier abgebildete Screenshot vermuten lässt: Die Oculus Touch Controller repräsentieren Ihre virtuellen Hände, mit denen Sie sich – Griff für Griff – vorarbeiten. Aber Vorsicht: Sofern Sie nicht gerade im einsteigerfreundlichen Touristenmodus unterwegs sind, müssen Sie auch die Ausdauer jeder Hand genau im Auge behalten. Ein faszinierendes Extremsportvergnügen, dem dank weltweiter Bestenlisten, 99 freispielbarer Errungenschaften und einer optionalen, immer schwieriger werdenden Boulderwand auch nach dem Durchspielen nicht so schnell die Puste ausgeht.

Job Simulator

Entwickler: Owlchemy Labs
Preis: 29.99 USD
Komfortstufe: anspruchsvoll
In Job Simulator ist der Name Programm. In vier verschiedenen Umgebungen gilt es, unterschiedliche Alltagsjobs zu bewältigen. Als Automechaniker reparieren Sie zum Beispiel defekte Motoren; als Chef eines Schnellrestaurants bereiten Sie schmackhafte Speisen zu; als Besitzer eines Supermarkts verkaufen Sie alltäglichen Krimskrams und als einfacher Büroangestellter tun Sie alles, damit der Chef baldmöglichst eine Beförderung ausspricht.
Job Simulator: Nahezu alle Objekte erlauben eine sinnvolle Interaktion
Klingt zunächst nach einer echten Schlaftablette, macht in der Praxis aber unglaublich Laune, denn das im Comic-Stil gehaltene Geschicklichkeitsspiel nimmt sich zu keiner Zeit sonderlich ernst. Um ein Spiegelei zuzubereiten, schlagen Sie dieses beispielsweise direkt auf der Herdplatte auf und pfeffern die verbleibenden Eierschalen einfach irgendwo in den Raum. Präzise Bewegungssteuerung, lustige Kommentare und eine sehr hohe Zugänglichkeit für VR-Einsteiger runden das Paket ab.
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Final Approach, Superhot VR

Final Approach

Entwickler: Phaser Lock Interactive
Preis: 14.99 USD
Komfortstufe: angenehm
Wer schon einmal das beliebte Handy-Spiel Flight Control gezockt hat, wird sich auch mit Final Approach pudelwohl fühlen. Genau wie beim iOS- und Android-Klassiker geht es auch hier darum, Flugzeuge und Helikopter unterschiedlichen Typs durch das Zeichnen von Anflugrouten sicher auf einem Flughafen zu landen. Der grosse Unterschied: Sie blicken nicht wie beim Mobilegame auf eine flache 2D-Landschaft, sondern schweben über einem dreidimensionalen Spielfeld, sprich erleben das Geschehen in einer 360-Grad-Umgebung.
Final Approach: Durch Zeichnen von Linien lotsen Sie Flugzeuge zur Landebahn
Aufgelockert wird der Zeit-Management-Spass durch eine Vielzahl von Minispiel-Einlagen. Hin und wieder brennt zum Beispiel ein Flieger lichterloh, den Sie dann erst einmal hektisch löschen müssen. Oder Möwen verirren sich auf dem Flugfeld und wollen mit einem Signalhorn vertrieben werden. Schön auch, dass die Szenarien regelmässig wechseln und Sie später sogar in den Luftkampf verschiedener Militärjets eingreifen dürfen. Tipp: Um eine optimale Touch-Controller-Erkennung zu gewährleisten, sollten Sie die Rift-Sensoren diagonal versetzt im Raum aufstellen.

Superhot VR

Entwickler: Superhot Team
Preis: 24.99 USD
Komfortstufe: angenehm
Das Grundprinzip dieses Ego-Shooters aus der Feder des kleinen Indie-Entwicklers Superhot Team ist schnell erklärt: In jedem Level befindet sich der Spieler in einem dreidimensionalen Raum, während rot leuchtende Gegner auf ihn zustürmen. Letzteres geschieht allerdings nur, wenn Sie die Touch Controller bewegen, etwa um nach einer Waffe zu greifen, einem Feind ein Interaktionsobjekt gegen die Birne zu schmettern oder mit geballter Faust zuzuschlagen.
Superhot VR: Hinter der minimalistischen Grafik steckt ein grandioses Spiel
Schauen Sie sich dagegen nur mit dem Headset um – etwa um zu entscheiden, wenn Sie als Nächstes angreifen –, bleibt die Zeit eingefroren. Das daraus resultierende Gameplay begeistert auf ganzer Linie und fühlt sich nicht zuletzt durch des bewusst minimalistisch gehaltenen Grafikstils an wie ein Slow-Motion-Kampf in der Matrix. Zweifelsohne einer der Top-Titel im Oculus-Touch-Startaufgebot!

I Expect You to Die

Entwickler: Schell Games
Preis: 24.99 USD
Komfortstufe: angenehm
Schon das erste Level dieses physikbasierten Puzzlespiels ist ein echter Kracher. Ein Spion sitzt in einem zu stehlenden Agentenfahrzeug, das sich wiederum im Bauch eines Flugzeugs befindet. Die Aufgabe: Den Wagen aus dem fliegenden Flugzeug herausmanövrieren und beten, dass das Fallschirmsystem zuverlässig seinen Dienst verrichtet. Doch Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Tödliche Laserstrahlen, tickende Zeitbomben und andere Widrigkeiten machen Ihnen das Leben schwer und müssen entsprechend entschärft werden. Etwa, indem Sie bestimmte Objekte logisch kombinieren oder den Anweisungen auf kryptischen Notizzetteln folgen.
I Expect You To Die: Screenshot der im Fliesstext beschriebenen Flugzeugszene
Manchmal geht es aber auch darum, anfliegenden Dingen im richtigen Moment ausweichen oder zeitnah einen Schalter zu betätigen. All das spielt sich richtig klasse und wird im Sitzen erlebt, wodurch Motion Sickness so gut wie nicht vorkommt. Lob zudem für die brillante, von James Bond inspirierte Hintergrundmusik sowie den typisch britischen Humor des ständig quasselnden Vorgesetzten. Und klar: Martinis kommen hier natürlich ebenfalls nicht zu kurz!

Fazit

Den vergleichsweise hohen Preis machen die Touch Controller durch ihre hohe Ergonomie, eine tadellose Verarbeitung, gelungene Gestenerfassung, gut abgestufte Vibrationsmodi, präzises Tracking und eine Vielzahl hervorragend unterstützter Starttitel schnell wieder wett. Auch das nun endlich mögliche Roomscaling gefällt, wenngleich die erfasste Fläche nicht ganz so gross ausfällt wie bei der HTC-Konkurrenz. Schön zudem, dass Oculus mit Robo Recall, Lone Echo und Arktika für 2017 bereits drei hochkarätige Exklusivtitel in der Pipeline hat. 

Testergebnis

Ergonomie, Verarbeitung, Spielangebot
Preis, Room scaling im Vgl. zu HTC Vive

Details:  Kabellos-Peripherie für Oculus Rift mit Gestiksteuerung und Analogsticks

Preis:  Fr. 213.–

Infos: 
www3.oculus.com/en-us/rift/

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