Kommentar
19.06.2009, 08:32 Uhr
Das Ding
Das Ding macht sprachlos. Dabei ist es zum Sprechen da. Aber es gibt kein gescheites Wort für dieses Ding. Ausser auf Isländisch.
Seit es diese Dinger gibt, weiss man nicht so recht, wie man sie nennen soll. Handys? oder Handies? Nein, Handies geht gar nicht, denn das tönt Englisch, aber auf Englisch heisst das Handy dann doch nicht Handy. Wenn Sie einem Amerikaner von ihrem «Handy» erzählen, kommt der nie im Leben drauf, dass Sie ein Natel meinen. Hab ich Natel gesagt? Entschuldigung. Natel ist die Abkürzung für «Nationales Autotelefon» und ausserdem ein geschützter Markenname von Swisscom. Geht gar nicht. Aber auch Handys mit eingedeutschter Schreibweise geht nicht. Mich wunderts schon, dass man in Deutschland den Begriff überhaupt versteht, denn so Anglizismen lehnt der Deutsche als solcher ja für gewöhnlich ab. Das müsste dort eigentlich «Tragbares Sprechübertragungsgerät» (TST) heissen. Wenn das TST im KFZ liegt, könnte man es dann wieder iNatel nennen: Internationales Autotelefon.
Mobiltelefon ist für die Alltagssprache zu lang. Ein Wort mit fünf Silben geht gar nicht. Die intelligenteren unter den Dingern kann man als Smartphones bezeichnen. Das hat nur zwei Silben und ist auch kein Pseudoenglisch. Für die dümmeren Dinger könnte man demnach das Smart einfach weglassen, aber «Phone» geht dann wieder gar nicht – Verwechslungsgefahr mit Festnetztelefonen! Nun könnte man zwar die Festnetztelefone (FNT, liegt nie im Smart) einfach Dumbphones oder Dummfone nennen, denn die sind ja noch dümmer als dumme Dinger, aber wenn sich ein Begriff einmal eingebürgert hat, wird er nie mehr abgeändert – siehe Natel.
Auf Isländisch heisst das Ding Farsimi. Das tönt vernünftig. Ich glaub, das nehm ich.
Autor(in)
David
Lee
19.06.2009
19.06.2009
19.06.2009