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Lesedauer 5 Min.

Im Test – Nothing Headphone (1)

Der jüngste Over-Ear-Kopfhörer von Nothing besticht schon mal durch sein eigenwilliges Design und einen fairen Preis. Kann er auch mit einem guten Sound punkten?
© (Quelle: Nothing)

Mit seinen In-Ear-Kopfhörern konnte das Tech-Unternehmen Nothing beim PCtipp bereits überzeugen. Nun wagen die Briten mit dem Headphone (1) den Sprung in die Over-Ear-Welt. Auch hier halten sie an ihrer eigenwilligen Designsprache fest. Die Muscheln sind eckig, die transparente Rückseite ähnelt einer Musikkassette. 

Mit diesem Kopfhörer fällt man garantiert auf

© Quelle: Nothing

Für das Sounddesign hat man sich mit der britischen Klangschmiede KEF zusammengetan. Diese ist bekannt für Hi-Fi-Speaker im High-End-Bereich.

Komplettes Paket

Seit dem Nothing Phone (3) scheinen die Briten gefallen an grossen Verpackungen gefunden zu haben. Auch der Headphone (1) kommt in einem riesigen Karton. Das hat seine triftigen Gründe: Der Kopfhörer lässt sich nicht zusammenfalten. Im Paket stecken ein solides, robustes Case für den Kopfhörer, ein USB-C-Ladekabel, ein Klinke-zu-Klinke-Kabel und eine Schnellstartanleitung. Das Case ist sehr stabil, schön flach und sieht chic aus.

Ein Case, mehrere Kabel, eine Schnellstartanleitung und der Kopfhörer – alles da, was es braucht

© Quelle: Nothing

Auffälliges Design

Eins muss man Nothing lassen: Sie schaffen es immer wieder, mit frischen Designideen zu überraschen. Das ist beim Headphone (1) auch der Fall. Dieser Kopfhörer fällt auf. Es gibt ihn in Schwarz oder Weiss, wobei die schwarze Version etwas dezenter daherkommt. Doch beide Varianten haben die eckigen Ohrmuscheln, die an eine Musikkassette erinnern.

Der Kopfhörer besteht aus Kunststoff, Aluminium und Kunstleder. Er ist mit 329 Gramm nicht ganz leicht, sitzt aber sehr bequem und lässt sich problemlos längere Zeit tragen. Der Anpressdruck ist moderat, sodass auch Brillenträger keine Probleme haben werden – dennoch sitzt der Headphone (1) fest, ohne zu rutschen. Die Muscheln decken die Ohren gut ab. 

Wie bei den meisten Over-Ear-Kopfhörern haben die Kunstlederpolster Nachteile: Bei Hitze beginnt man zu schwitzen. Zudem bröselt das Kunstleder nach einiger Zeit; zum Glück lassen sich die Polster ersetzen. Auch das Bügelpolster besteht aus Kunstleder.

Nicht ganz leicht, aber dennoch sehr bequem

© Quelle: Nothing

Geniale Bedienung

Das Einrichten des Headphone (1) ist ein Kinderspiel: Einfach den Bluetooth-Knopf etwas länger drücken, bis der Kopfhörer im Pairing-Modus ist, schon lässt er sich mit dem Handy, Notebook oder PC koppeln. Der Bluetooth-Knopf ist etwas versteckt an der Innenseite der rechten Muschel angebracht. Ein Blick ins Handbuch hilft. An der rechten Muschel sind zudem alle Bedienelemente zu finden. Und hier muss ich Nothing grosses Lob aussprechen. Die Briten verzichten auf eine Touchbedienung und haben auf physische Tasten gesetzt. Besonders praktisch ist das Rädchen für die Lautstärkeregelung: Es lässt sehr präzise Abstufungen zu. Hinzu kommt ein Kippschalter, mit dem man Tracks überspringen oder spulen kann.

Durch Druck der Tasten sind noch weitere Aktionen wie Anrufannahme, Einstellung der Geräuschunterdrückung oder Konversationen mit dem KI-Assistenten Chat-GPT möglich. Wer ein Nothing-Smartphone hat, kann zudem zusätzliche Aktionen ausführen. Eine nennt sich Channel Hop und ermöglicht den Wechsel zwischen Musik-Streaming-Diensten per Knopfdruck.

Der Headphone (1) bietet für mich die bislang durchdachteste Kopfhörersteuerung

© Quelle: Nothing

Zusätzlich hat Nothing eine ausgezeichnete App für Android und iOS auf Lager, die ich unbedingt empfehle. Die Nothing-X-App ermöglicht das Ändern der Steuerelemente oder der Geräuschunterdrückung, das Einbinden von Streaming-Diensten (nur mit einem Nothing-Handy), einen mehrstufigen Bass-Boost und ganz wichtig: das Anpassen des Sounds per Equalizer. Das ist hier auch nötig, wie wir später noch sehen werden. Der Equalizer ist äusserst durchdacht. Es gibt eine einfache Version und einen 8-Band-Equalizer, der präzise Frequenzanpassungen bietet.

Links der einfache Equalizer, rechts der ausgeklügelte 8-Band-Equalizer

© Quelle: PCtipp

Sound überzeugt nicht out of the box

Meine erste richtige Kritik am Headphone (1) gibt es beim Sound: Trotz der Kooperation mit KEF überzeugt er nicht aus der Box. Zuerst das Positive: Der Kopfhörer klingt gut und detailliert. Die Instrumente sind richtig separiert und haben alle ihren Platz. Zudem fühlt sich der Kopfhörer in allen Genres wohl. Doch nun kommt das grosse Aber: Der Sound ist zu dunkel. Das heisst: Es fehlt an Biss und Brillanz; es stellt sich kein Wow-Effekt wie beim Bowers & Wilkins Px7 S3 ein. Ich habe nicht den Eindruck, mitten auf der Bühne zu stehen, sondern die Musik schallt distanziert über den Kopfhörer. Als Vergleich: Es ist wie ein gut gekochtes Essen, bei dem alle Zutaten von hoher Qualität sind und gut schmecken, doch der Koch hat eine Prise zu wenig Salz benutzt. Diese wäre für ein lautes «Wow!» notwendig gewesen.

Beim Sound fehlt das Salz

© Quelle: Nothing

Glücklicherweise gibt es den tollen Equalizer in der Nothing-X-App. Damit lässt sich die Soundsignatur aufpolieren. Ich habe auf der Website von SoundGuys ein Equalizer-Profil entdeckt, das aus dem guten Sound des Headphone (1) einen Gänsehaut-Sound macht. Dem Bass fehlt etwas Punch, darum sollte man die Frequenz um 20 Hz etwas anheben. Dasselbe gilt für die Mitten zwischen 200 und 500 Hz. Sind sie lauter, klingen Gesang und Instrumente nicht mehr so distanziert. Ein Boost bei den Höhen ab 2000 Hz fügt zudem mehr Brillanz hinzu. Ein leichtes Absenken empfiehlt sich bei den Frequenzen um die 50, 500 und 100 Hz. Das Clevere an der Nothing-X-App: Ihr könnt die Equalizer-Einstellungen von SoundGuys einfach per QR-Code via Importfunktion einscannen.

Ein Besuch bei SoundGuys bringt Euch zu einem besseren Sound

© Quelle: PCtipp/SoundGuys

Wiederum sehr gut sind die Geräuschunterdrückung und die Anrufqualität des Kopfhörers. Auch die Akkulaufzeit überzeugt mit über 30 Stunden bei eingeschaltetem ANC.

Fazit: Nur der halbe Wow-Faktor

Nothing hat mit dem Headphone (1) fast alles richtig gemacht: Preis, Design und Bedienung haben alle den Wow-Faktor. Beim Sound muss man leider im Equalizer herumschrauben, um ihm ein lautes «Wow!» zu entlocken. Glücklicherweise ist das problemlos möglich.

Testergebnis

Pros + Cons

  • Design
  • Preis
  • Bedienung
  • App
  • Sound ist out of the box zu dunkel

Details:  Geschlossener Over-Ear-Kopfhörer, 40-mm-Treiber (dynamisch), ANC, Frequenz: 20 - 40 000 Hz, USB-C, Klinke: 3,5 mm, spritzwasserfest, Bluetooth 5.3, Codecs: AAC, LDAC, SBC, Spatial Audio, Akkulaufzeit mit ANC: 35 h, 329 Gramm

Preis:  249.–

Infos: 
Gesehen bei: galaxus.ch

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