Sicherheits-Tipps
So geht Schutz vor Datenklau und Stalking
Das Internet versucht seit den ersten Stunden, seine Anwender zu durchleuchten, um so zufällig passende Angebote zu liefern und ein gutes Geschäft zu machen. Die ganze Werbung, das Tracking, Cookies und vermeintlich tolle Browser-Tools gehören eindeutig in die Kategorie «nervig».
Geht es allerdings um Keylogger, Infostealer, Spyware oder Trojaner, sind wir bei der Kategorie «gefährlich» angelangt, gegen die es auch guten Schutz gibt. Eine weitere eigene Kategorie ist sogenannte Stalkerware. Damit will eine Person eine andere ausspionieren oder kontrollieren. Dass dies nicht harmlos ist, hat auch die Schweizer Gesetzgebung erkannt: Hierzulande ist seit dem 1. Januar 2026 Stalking ein eigener Straftatbestand, nämlich Art. 181b StGB («Nachstellung»). Zu Stalking zählt auch der Angriff mit jeglicher Software oder Hardware (Tracker), sogenanntes Cyberstalking, Bild 1.
Nachfolgend erklären wir Ihnen die Gefahren rund um Cyberstalking und nervige Tracking-Tools. Gleichzeitig geben wir Ihnen Tipps, wie Sie sich unter Windows und Android absichern.
Bild 1: Stalking ist alles andere als harmlos und in der Schweiz seit diesem Jahr eine Straftat
PCtippGefährlicher Datenklau
Die erste Kategorie «gefährlich» umfasst alles, was oft mit dem Überbegriff Malware zusammengefasst wird, etwa Keylogger (Tastaturspione), Infostealer (spezialisierte Unterart von Spyware, die gezielt nach wertvollen, lokal gespeicherten Daten scannt), Spyware (Software, die heimlich Aktivitäten auf einem Gerät überwacht und Daten sammelt) oder Trojaner (Programme, die sich als nützliche oder legitime Software tarnen, um den Anwender zur Installation zu verleiten). Sie sollten die Gefahr nicht unterschätzen, denn auch die Daten von einfachen privaten Internetnutzern sind auf dem Markt im Darknet ihr Geld wert. Begeht ein Cybergangster mit Ihrer gestohlenen Identität eine Straftat, stehen die Opfer später vor Ihrer Tür und verursachen Ärger.
Bei all diesen Schädlingen empfehlen wir immer eine gute Schutz-Software für Ihre Geräte. Unter Windows gibt es als Standard den vorinstallierten Microsoft Defender und bei Android Google das installierte Play Protect. Die am Markt angebotenen Sicherheits-Suiten sind jedoch meist noch einen Tick besser als die Standards und haben auch oft viele nützliche Schutz-Tools an Bord.
Das AV-TEST-Institut untersucht regelmässig Antiviren-Software für verschiedene Systeme und veröffentlicht die Ergebnisse gratis unter av-test.org/de/antivirus, Bild 2. Dort können Sie nachsehen, welches Schutzpaket für Sie das sicherste ist – oder ob Sie es bereits nutzen. In den Tests vergibt das Labor Prüfpunkte, wie gut die Pakete Keylogger, Infostealer, Spyware, Trojaner oder jegliche weitere Form von Malware abwehren.
Bild 2: Für die Wahl der Sicherheits-Software lohnt sich ein Blick auf die Website von AV-TEST
PCtippTipps für Windows
Die grossen Anbieter, wie Norton, Bitdefender oder Kaspersky bieten in ihren fast immer perfekt bewerteten Schutz-Suiten richtig viele weitere Sicherheits-Tools an. Das sind ein Netzwerkmonitor, eine Smarthome-Geräteübersicht, Optimierungs-Tools, App-Updater und mehr. App-Updater sind speziell nützlich, denn aktuelle Programme verhindern Lücken.
Bei allen Plus- oder Deluxe-Versionen ist auch kostenloses VPN mit an Bord. Damit surfen sie nicht nur sicher, sondern verhindern gefährliche Downloads und weitere Angriffe. Auch Verbindungen zu unbekannten WLANs sind durch VPN perfekt abgesichert. Ganz nebenbei verhindern Sie ein Tracking Ihrer IP-Adresse.
Tipps für Android
Android ist zwar von seiner Systemarchitektur bereits recht sicher, aber eine gute Schutz-App kann nie schaden. Wenn Sie unter Windows eine Plus- oder Deluxe-Sicherheits-Software haben, können Sie diese Lizenzen oft auch für die passende Schutz-App unter Android verwenden. Falls das nicht der Fall ist, sollten Sie zum Beispiel die kostenlose Schutz-App von Sophos einsetzen. Diese schützt sehr gut, hat viele praktische Extras mit dabei und kostet sie keinen Rappen. Suchen Sie im Google Play Store einfach nach Sophos Intercept X for Mobile, Bild 3.
Bild 3: Für Android empfiehlt sich die kostenlose Sicherheits-App Sophos Intercept X for Mobile
PCtippStalkerware
Wie eingangs erwähnt, ist seit dem 1. Januar 2026 Stalking ein eigener Straftatbestand. Meist nutzen Stalker für den Angriff auf ihre Opfer sogenannte Stalkerware – eine Software zur Überwachung eines Geräts und zur Standortbestimmung. Diese Art eines Angriffs wird Cyberstalking genannt und erfüllt ebenfalls den Straftatbestand.
Was kann eine solche Spionage-Software genau? Meistens versuchen Stalker die Verfolgungsanwendung auf mobilen Geräten zu installieren, denn diese sind rund um die Uhr in der Nähe eines Opfers. Diverse Sicherheitsforscher haben sich solche Spionage-Apps angesehen und aufgelistet, was diese alles für Funktionen umfassen. Hier eine Liste der in den Apps teilweise angebotenen Spionage-Funktionen:
GPS-Tracking
Standortverlauf
Anrufprotokolle
Anrufaufzeichnung
SMS-Überwachung
Chat-Überwachung (WhatsApp etc.)
Social-Media-Überwachung
Kamerafernsteuerung
Mikrofonaktivierung (abhören)
Galeriezugriff (Fotos und Videos)
Browserverlauf
Kontakte- und Kalenderzugriff
Tarnmodus (Verstecken der App)
Dashboard-Fernsteuerung
Die von den Anbietern eröffneten Möglichkeiten sind erschreckend.
Einen Blick hinter die Kulissen gab es im Fall von mSpy, einer «Handy Spionage-App» (Titel auf der Anbieter-Homepage), die offiziell zur Überwachung von Kindern beworben wird, Bild 4. Im Juni 2024 erbeuteten Hacktivisten (Kofferwort aus Hacker und Aktivist) über 300 Gigabytes an Daten und stellten diese online, inklusive Support-Tickets.
Bild 4: mSpy ist eine Stalker-Software, die zur Überwachung von Kindern beworben wird
PCtippDiese Aussagen hat SRF ausgewertet und als sehr empfehlenswerte Story aufgearbeitet: «Geliebt, getracked, gestalked: Wie Schweizerinnen und Schweizer ihre Liebsten überwachen». Den Artikel lesen Sie unter dem Link go.pctipp.ch/3550, Bild 5.
Bild 5: Die SRF-Story zu mSpy ist sehr empfehlenswert
PCtippZuerst die schlechte Nachricht: Leider gibt es im Internet und insbesondere im Darknet eine recht grosse Anzahl solcher Software. Die gute Nachricht: Schutz-Software für Windows oder Android kann diese Programme oft erkennen und blockieren oder sie zumindest identifizieren, damit Sie diese entfernen können.
Die unabhängigen Testinstitute AV-TEST und AV-Comparatives haben 2021 und 2025 bekannte Schutz-Apps gegen Stalkerware getestet. Dabei mussten die Schutz-Apps 29 bzw. 17 Exemplare der Spione erkennen, Bild 6 und Bild 7. Im älteren Test war die Erkennung bei einigen Apps noch durchwachsen, im neuen Test sind die Ergebnisse wesentlich besser. Allerdings: In beiden Tests wurde auch der Standardschutz unter Android namens Play Protect mit untersucht. Im ersten Test fand der Service nur 31 Prozent und im neueren Test 53 Prozent der Stalkerware. Das heisst: Nutzen Sie eine gute Schutz-App. Googles Play Protect erkennt zu wenig.
Bild 6: AV-TEST prüft auch, wie gut Schutzanwendungen Stalkerware erkennen
PCtipp
Bild 7: AV-Comparatives prüft Sicherheits-Tools ebenfalls mittels Stalkerware
PCtippInteressant: Die oben genannte kostenlose Android-Schutz-App Sophos Intercept X for Mobile wehrte im jüngeren Test ganze 15 von 17 Spionen ab.
Typische Anzeichen, dass auf Ihrem Smartphone eine Stalkerware- bzw. Spionage-Software läuft, sind folgende:
Der Datenverbrauch ist plötzlich viel höher
Das Smartphone ist langsamer als sonst
Die Akkuleistung sinkt recht schnell
Es sind unbekannte Apps da
Sie hören Hintergrundgeräusche beim Telefonieren
Wenn Sie technisch nicht mehr weiterwissen, empfehlen die Experten im Notfall sogar den Wechsel auf ein anderes Handy.
Surf-Tipp: Auf der Internetseite der «Koalition gegen Stalkerware» (stopstalkerware.org/de) finden Opfer oder Menschen, die einen Verdacht hegen, viele Informationen, wie sie sich bei digitalen Problemen selbst helfen können und mehr.
Hardware-Tracker
Ausser dem Einsatz einer Stalkerware versuchen Stalker auch die Nutzung von Onlinetrackern. Diese gibt es aber nicht nur wie oben erwähnt als Funktion in einer Stalker-Software, sondern auch als Hardware-Tracker. Das sind sehr kleine Geräte, die auch Air Tracker oder Smart Tag genannt werden. Sicherheitsfachleute bezeichnen die Geräte auch einfach als Peilsender, Bild 8.
Bild 8: Hardware-Tracker gibt es in zahlreichen Varianten und Preisklassen
PCTippDiese Tracker funktionieren mithilfe von Bluetooth. Da die Reichweite dieser Technik auf 10 bis 25 Meter begrenzt ist, arbeitet man hier mit einem Trick: Der kleine Tracker wird zuerst bei Apple oder Android mit seiner ID registriert – sonst nichts. Danach sendet das Gerät alle paar Sekunden mit einer sehr stromsparenden Technik sogenannte Beacon‑Signale, die aber anonymisiert sind. Im Signal steckt nur eine wechselnde, kryptografisch abgeleitete ID. Es wird auf diese Weise kein Standort übermittelt.
Der Clou: Fast alle Android und iOS-Smartphones empfangen diese Signale automatisiert und senden sie samt Standortdaten anonym zu einem Cloud-Service. Bei Apple geht das Signal zu «Find My Network», Bild 9, bei Google zu «Find My Device Network», Bild 10. Dort wird das übermittelte Signal mit Standort und ID an das Konto übermittelt, bei dem der per ID erkannte Tracker registriert wurde. So können die Tracker auch über weite Strecken geortet werden.
Bild 9: Dank anderer iPhones lassen sich Apples Tracker trotzdem kurzen Bluetooth-Signal überall orten
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Bild 10: Auch Google wendet diese Technik für seinen Ortungsdienst an
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Bild 11: Google und Apple prüfen, ob einem fremde Tracker folgen
PCTippDie Idee hinter der Technik: Man legt etwa einen Tracker in einen Schulthek der Kinder, schützt sein Fahrrad vor Diebstahl oder verbaut die Tracker in teurere Geräte, die jemand stehlen könnte. Auch Smartphones lassen sich so wiederfinden.
Der Stalker missbraucht an dieser Stelle die eigentlich praktische Technik für illegale Zwecke. Zum Schutz vor Cyberstalking mit Hardware-Trackern haben sich Apple und Google aber etwas einfallen lassen: Sie prüfen das Verhalten eines gefundenen Trackers:
- Ist dieser Tracker mit dem Gerät des Nutzers gekoppelt oder nicht?
- Bewegt er sich über längere Zeit mit dem Nutzer mit?
- Wurde der Tracker mehrfach in der Nähe des Nutzers erkannt?
- Passt das Bewegungsmuster des Trackers zu Stalking‑Verhalten?
Ist der Tracker gekoppelt, dann ist es ja das eigene Gerät. Da passiert natürlich nichts. Ist der Stalker-Tracker aber mit einem fremden Gerät verbunden, geben die Systeme nach einiger Zeit einen Alarm aus: «Ein unbekanntes Objekt bewegt sich mit dir.», Bild 11.
Diese Meldung lässt sich antippen. Danach haben Sie mehrere Aktionen zur Auswahl. So können Sie:
- den Tracker klingeln lassen.
- eine Karte der letzten Bewegungen sehen.
- den Hersteller anzeigen lassen.
- eine Deaktivierungsanleitung erhalten.
Apple und Google haben sich hier auf Standards verständigt. Nur beim Deaktivieren geht man mit den Informationen etwas anders um.
Das Wichtigste: Um den Tracker zu deaktivieren, muss man ihn finden! Dazu dient die Klingelfunktion. Man kann den Tracker nur manuell abschalten, indem der Reset-Knopf gedrückt wird oder man muss ihn zerlegen und die Batterie entfernen. Erst dann ist er inaktiv. Die Systeme speichern die ID des Trackers für die Strafverfolgung durch die Behörden.
Selbst kann man nicht herausfinden, wem der Tracker gehört.
Noch etwas Wichtiges zum Schutz: Egal, ob man ein iPhone oder ein Android-Gerät besitzt – die Geräte erkennen gegenseitig auch alle Android-Tracker, Tags oder Apple Air-Tags. Am Markt gibt es allerdings noch illegale Tracker – oft aus China. Diese funktionieren zum Glück nicht mit Google- oder Apple-Geräten, da sie nicht zertifiziert sind.
Adware und Cookies
Kommen wir zum Schluss noch zu nerviger, aber nicht unbedingt schädlicher Software. Auch dagegen können Sie etwas tun.
Das hilft gegen Adware
Adware ist eigentlich nicht gefährlich, aber sehr lästig. Sie blendet Werbung ein, verändert Browsereinstellungen oder installiert zusätzliche Toolbars, die niemand will. Ein typisches Beispiel ist ein kostenloses Programm, das nach der Installation plötzlich Pop-ups zeigt oder die Startseite im Webbrowser ändert. Hilfreich sind hier eine saubere Deinstallation, das Prüfen der Browsererweiterungen und ein spezieller Bereinigungsscanner. Das erledigt in der Regel eine gute Schutz-Software für Windows oder Android. Soll es ein Zusatz-Tool sein, gibt es unter dem Link malwarebytes.com/de/adwcleaner etwa den kostenlosen AdwCleaner für Windows von Malwarebytes. Dieses Programm konzentriert sich auf die Beseitigung von unerwünschter Werbung und Adware.
Für eine saubere Deinstallation aller Überbleibsel unter Windows sollten Sie ausserdem den Revo Uninstaller (revouninstaller.com) nutzen. Den gibt es als Freeware. Er dient der restlosen Deinstallation von regulären Programmen, Windows-Apps und Browsererweiterungen, Bild 12.
Bild 12: Revo Uninstaller löscht unerwünschte Programme komplett von der Festplatte
PCtippSchluss mit Tracking-Cookies
Tracking-Cookies sind kleine Dateien, die das Surfverhalten über mehrere Webseiten hinweg aufzeichnen. Sie sind vor allem deshalb störend, weil sie personalisierte Werbung, Wiedererkennung und Profilbildung ermöglichen. Sie können Cookies regelmässig von Hand löschen. Komfortabel ist das aber nicht.
Unser Tipp: Der Webrowser Mozilla Firefox (Download unter der Internetadresse firefox.com/de) sperrt die Daten von jeder besuchten Internetseite in eine eigene, unsichtbare «Keksdose». Wenn Sie beispielsweise erst in einem Schuhshop stöbern und danach eine Nachrichtenseite öffnen, verhindert Firefox, dass Werbefirmen die Daten aus der Schuhkeksdose auf der Nachrichtenseite heimlich auslesen. Dadurch können Werbenetzwerke Ihnen nicht mehr quer durch das Internet folgen, um ein persönliches Profil über Sie zu erstellen – und das Beste daran ist, dass alle Funktionen der Webseiten (wie gespeicherte Warenkörbe) trotzdem fehlerfrei weiter funktionieren.
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