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Gefährliches Spielzeug - smarte Spielwaren können missbraucht werden

Smarte Kinderspielzeuge wirken auf den ersten Blick harmlos. Doch Mikrofone, GPS-Tracker sowie Cloud-Anbindung in Puppen und Robotern können missbraucht werden. Wir erklären, was Eltern wissen müssen. 
© ChatGPT

Smarte Spielzeuge sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Puppen, die mit Kindern sprechen, Roboter, die programmiert werden können und interaktive Lernspiele liegen unter vielen Weihnachtsbäumen. Diese Geräte sind oft mit Mikrofonen, Kameras, GPS-Modulen und Internetverbindungen ausgestattet. Diese bieten die Möglichkeit zum Missbrauch. Wir zeigen, worauf Sie beim Kauf achten sollten und wie Sie smarte Spielzeuge sicherer machen.

Bild 1: Smartes Spielzeug macht Spass, bringt aber auch Risiken mit sich

© PCtipp

Moderne Spielzeuge sind kleine Computer mit Internetanschluss. Eine interaktive Puppe kann dank des eingebauten Mikrofons und einer Spracherkennungs-Software auf Fragen der Kinder reagieren. Programmierbare Roboter verbinden sich per WLAN mit einer App, über die Eltern oder Kinder das Verhalten steuern können. Manche Spielzeuge haben sogar GPS-Tracker eingebaut, damit Eltern wissen, wo sich ihr Kind befindet. Diese Funktionen können pädagogisch wertvoll sein: Kinder lernen spielerisch den Umgang mit Technologie, entwickeln Problemlösungsfähigkeiten und haben Spass dabei. Es gibt aber auch Risiken: Viele dieser Geräte sammeln Daten und speichern diese in der Cloud, oft ohne dass die Eltern genau wissen, was mit diesen Informationen passiert, Bild 1.

Bild 2: «Meine Freundin Cayla» ist in Deutschland als Spionagewerkzeug eingestuft und  wurde deshalb sogar verboten

© PCtipp

Mikrofone und Kameras

Spielzeuge mit Mikrofonen können theoretisch jedes Gespräch im Kinderzimmer aufzeichnen. Zwar versprechen die Hersteller meist, dass nur vordefinierte Sprachbefehle aufgenommen werden. In der Praxis haben Sicherheitsforscher jedoch immer wieder Schwachstellen und Missbrauch entdeckt – sowohl durch die Hersteller als auch durch Software-Fehler. Ein bekanntes Beispiel ist die Puppe «Meine Freundin Cayla», die 2017 in Deutschland sogar verboten wurde, Bild 2.

Dieselbe Gefahr geht von Spielzeug mit eingebauten Kameras aus. Hier können im schlimmsten Fall Videoaufzeichnungen an einem falschen Ort landen.

GPS

Smartwatches und Spielzeugtelefone für Kinder haben oft GPS-Tracker integriert. Die Idee: Eltern sehen jederzeit, wo sich ihr Kind befindet. Aber: Sind diese Daten nicht ausreichend geschützt, können auch Unbefugte darauf zugreifen. Dass solche Datenlecks vorkommen, kennt man heutzutage zur Genüge. 

Darüber hinaus speichern viele Geräte Bewegungsprofile in der Cloud. Diese Daten verraten nicht nur, wo sich das Kind gerade befindet, sondern auch, welche Orte es regel­mässig aufsucht. Damit werden neben dem eigenen Zuhause möglicherweise auch die Wohnorte von Freunden oder der Standort der Schule in einen Cloud-Speicher im Internet verfrachtet. Was mit diesen Daten genau passiert, ist oftmals in den Untiefen kaum lesbarer AGB-Dokumente versteckt.

Kritische Cloud-Anbindung

Die meisten smarten Spielzeuge funktionieren nicht ohne Cloud-Anbindung, da dort die Rechenleistung liegt, die für die smarten Funktionen benötigt wird. Das heisst auch: Die vom Spielzeug gesammelten Daten werden auf Servern der Hersteller gespeichert. Beispielsweise können das Sprachaufnahmen, Fotos, Videos, Standortdaten oder andere persönliche Informationen sein. Problematisch wird das, wenn:

  • die Datenübertragung nicht verschlüsselt ist
  • die Server unzureichend geschützt sind
  • die Nutzungsbedingungen erlauben, Daten weiterzuverkaufen oder weiterzugeben
  • es unklar ist, in welchem Land die Daten gespeichert werden, oder es sich um ein Land mit schwachen Datenschutzgesetzen handelt

Wichtige Kauftipps

  • Datenschutzerklärung lesen: Ja, das ist mühsam, aber wichtig. Prüfen Sie vor dem Kauf von Spielzeug, welche Daten gesammelt werden, wo diese gespeichert werden und ob sie an Dritte weitergegeben werden dürfen. Seriöse Hersteller machen diese Informationen zugänglich. Prüfen Sie auch den Hersteller, ob dieser vertrauenswürdig ist oder eventuell schon in der Vergangenheit mit fragwürdigen Praktiken aufgefallen ist.
  • Verschlüsselung prüfen: Achten Sie da­rauf, dass die Datenübertragung verschlüsselt erfolgt. Das sollte in der Produktbeschreibung oder den technischen Daten ersichtlich sein. Fehlen solche Angaben, ist Vorsicht geboten.
  • Bewertungen und Tests lesen: Konsumentenschutzorganisationen und IT-Sicherheitsforscher testen regelmässig smarte Spielzeuge. Suchen Sie vor dem Kauf nach solchen Tests im Internet. Produkte mit bekannten Sicherheitslücken sollten Sie meiden.

Sicherheitstipps

  • Separate Netzwerke verwenden: Richten Sie für smarte Spielzeuge ein eigenes WLAN-Gästenetzwerk ein. So sind diese von Ihren anderen Geräten und sensiblen Daten getrennt. Das verhindert, dass ein gehacktes Spielzeug zum Einfallstor für Ihr gesamtes Heimnetzwerk wird. Ausserdem separieren Sie so das smarte Spielzeug von Ihren persönlichen Daten im Heimnetz.
  • Starke Passwörter verwenden: Nutzen Sie für die zugehörigen Apps und Benutzerkonten starke, einzigartige Passwörter. Viele Datenpannen entstehen, weil Standard- oder schwache Passwörter verwendet wurden.
  • Regelmässig Updates durchführen: Halten Sie die Firmware der Spielzeuge und die zugehörigen Apps aktuell. Updates schliessen oft Sicherheitslücken. Prüfen Sie regelmässig, ob neue Versionen verfügbar sind.
  • Mikrofone und Kameras deaktivieren: Falls möglich, deaktivieren Sie Mikrofone und Kameras, wenn diese nicht benötigt werden. Bei manchen Geräten können Sie diese Funktionen in den Einstellungen ausschalten oder physisch abdecken. Als Profi können Sie das Spielzeug natürlich auch aufschrauben und die entsprechenden Komponenten entfernen. Es kann jedoch sein, dass das Spielzeug in diesem Fall den Dienst verweigert und die Garantie verfällt.
  • Offlinefunktionen nutzen: Viele Spielzeuge bieten auch Funktionen, die ohne Internetverbindung auskommen. Nutzen Sie diese, wo immer möglich. Ein programmierbarer Roboter, der nur lokal über Bluetooth gesteuert wird, ist deutlich sicherer als einer mit permanenter Cloud-Anbindung.
  • Datenlöschung nach Gebrauch: Wenn das Spielzeug nicht mehr verwendet wird, löschen Sie alle gespeicherten Daten sowohl auf dem Gerät als auch in der Cloud. Die meisten Hersteller bieten diese Option in den Konto­einstellungen an.
  • Über Privatsphäre aufklären: Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Privatsphäre. Erklären Sie altersgerecht, dass nicht alles, was man sagt, für andere bestimmt ist, und dass das Spielzeug zuhören kann. Das schafft ein Bewusstsein für digitale Privatsphäre.

Alternativen

Sie müssen nicht komplett auf Technologie verzichten, aber es gibt Alternativen, die mehr Sicherheit bieten. Beispielsweise:

  • Programmierspielzeuge ohne Internet­anbindung: Diese funktionieren rein lokal und sammeln keine Daten, Bild 3.
  • Klassische elektronische Spielzeuge: Diese sind oft günstiger und ausserdem datenschutzfreundlicher.
  • Open-Source-Projekte: Für Profis und Bastler: Mit Open-Source-Produkten wie Raspberry-Pi-basierten Robotern haben Sie die volle Kontrolle über Daten und Funktionalität eines Spielzeugs.

Bild 3: Es gibt viele smarte Spielwaren, die ohne Internet auskommen

© PCtipp

Rechtliche Situation

In der Schweiz und der EU gelten strenge Datenschutzregeln. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gibt vor, dass die Verarbeitung von Daten von Kindern besonders geschützt werden muss. Hersteller sind verpflichtet, transparente Datenschutzerklärungen bereitzustellen und nur die minimal nötigen Daten zu sammeln. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Durchsetzung schwierig ist. Viele Hersteller sitzen im Ausland, und die Kontrolle, ob Datenschutzbestimmungen eingehalten werden, ist aufwendig. Als Eltern sind Sie daher selbst gefordert, die Privatsphäre Ihrer Kinder ausreichend zu schützen.

Fazit: Gefahren kennen

Smarte Spielzeuge können pädagogisch wertvoll und unterhaltsam sein. Doch sie bringen auch Risiken mit sich, die Eltern kennen und ernst nehmen sollten. Mit dem richtigen Bewusstsein, sorgfältiger Auswahl und gezielten Sicherheitsmassnahmen können Sie diese Risiken minimieren. Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Daten gesammelt werden und wie diese geschützt sind. Nutzen Sie Sicherheitsfunktionen wie Gästenetzwerke und starke Passwörter. Entspricht ein Spielzeug nicht Ihren Ansprüchen, verzichten Sie da­rauf. Die Privatsphäre Ihrer Kinder ist wichtiger als das neuste Gadget. Je weniger ein Spielzeug mit dem Internet verbunden ist, desto sicherer ist es. Wägen Sie ab, ob die smarten Funktionen die potenziellen Risiken wert sind.

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