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Lesedauer 3 Min.

Strassenbanden nutzen soziale Medien gezielt

"Anstatt an Strassenecken herumzuhängen, hängen sie in den sozialen Medien ab." So beschreibt Kriminologe Francesco Carlo Campisi von der Université de Montréal die Online-Gewohnheiten kanadischer Strassenbanden.
© (Quelle: EMGenie)

Er hat etwa 50 Facebook- und X-Profile analysiert, die mit Mitgliedern von kanadischen Strassengangs in Verbindung stehen, sowie ein Dutzend von ihnen produzierte YouTube-Musikvideos. "Das tun sie nicht zum Spass. Sie wollen neue Mitglieder für ihre Banden gewinnen."

Eigenes Leben als Werbung

"Strafverfolgungsbehörden, Medien und einige wissenschaftliche Publikationen deuten darauf hin, dass Strassenbanden soziale Medien intensiv nutzen. Wir haben jedoch nicht genügend Infos, um zu beschreiben, wie das online tatsächlich geschieht", unterstreicht Campisi. Deshalb machte er sich daran, das "Cyberbanging" zu erforschen.

Mit dem Begriff wird die interaktive Online-Beziehung zwischen Gang-Mitgliedern und anderen Nutzern bezeichnet. Campisi nach beschreiben Cyberbanging-Inhalte eher die Lebensart der Bandenmitglieder als die direkte Anwerbung von neuen Mitgliedern. Die Gangster zeigten "Gang-Kultur", indem sie mit ihrem Geld, ihren Waffen, Frauen, Alkohol, Partys und Drogen angeben.

"Das ist eine Form der indirekten Anwerbung, da sie beeinflussbare Personen, die sich für diesen Lebensstil interessieren, dazu verleiten können, eine Mitgliedschaft in der Gang anzustreben. Die auf X und Facebook befragten Nutzer mögen Gang-Mitglieder sein, aber sie sind auch Söhne, Schwestern, Väter und Studenten, die Interessen jenseits von Gangs haben. Wie Sie und ich nutzen sie soziale Medien, um zu kommunizieren und Kontakte zu pflegen", so Campisi.

X-Posts für Glaubwürdigkeit

Laut Campisi ist X jene Plattform, auf der Gang-Mitglieder am ehesten selbst zusammengestellte Rock- und Pop-Songs posten. Das diene dazu, ihre Glaubwürdigkeit auf der Strasse zu unterstützen, da viele der beliebtesten Künstler in diesen Genres selbsternannte Gang-Mitglieder seien. Auf Facebook hingegen sei das dominierende Element des Cyberbanging die "Präsentation von Gang-Farben und -Symbolen", vielleicht weil das Publikum aus Freunden und Familienmitgliedern bestehe.

"Studien haben gezeigt, dass Facebook hauptsächlich dazu genutzt wird, positive Reaktionen hervorzurufen; Menschen posten Inhalte, um ein allgemeines, oberflächliches Gefühl der Eitelkeit zu nähren", urteilt Campisi. Auf YouTube schliesslich diene die Zurschaustellung von Drogen, Waffen oder Geld und das Prahlen mit dem Gang-Lebensstil dazu, den sozialen Status der Gang zu verbessern.

Letztlich handle es sich um eine Form des Content-Marketings, ähnlich wie rechtsextreme Influencer ihre Ideen verkaufen. Campisi: "Personen, die sich nach einem solchen Lebensstil sehnen, können ihn leicht finden; sie müssen nicht im selben Viertel wie die Gang leben, um damit in Berührung zu kommen." (pressetext.com)

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