IFA 2026 im Wandel: Samsung fehlt, Xiaomi kommt
Gestern hat die IFA offiziell ihre Saison eröffnet – mit dem Kick-Off im Berliner Futurium, unter dem Claim «The future is now». Die Botschaft von Leif Lindner, CEO der IFA Management GmbH, war selbstbewusst: 102 Prozent der verfügbaren Fläche sind vergeben, die grossen Themen KI, Smart Home und Robotics dominieren die Agenda. Am 4. September öffnet die IFA für fünf Tage ihre Tore. Doch die Messe, die sich da öffnet, ist nicht mehr dieselbe wie vor ein paar Jahren.
Samsung verlässt den CityCube
Die auffälligste Veränderung dieser Saison betrifft Samsung. Der weltgrösste TV-Hersteller, seit Jahren einer der prägenden Aussteller der IFA, wird in diesem Jahr nicht wie gewohnt im CityCube vertreten sein. Aus Branchenkreisen ist zu hören, dass Samsung einen eigenen Auftritt ausserhalb des Messegeländes plant. Konkret wird das Humboldt Carré gehandelt, rund 40 Minuten vom Messegelände entfernt. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus.
Hintergrund soll ein strategischer Kurswechsel im Samsung-Konzern sein: Der neue weltweite CEO setzt auf eigene Formate statt Messepräsenz. Samsung soll im Creator Hub der IFA als Hauptsponsor präsent sein, und das IFA-Ticket soll Zugang zur Samsung-Veranstaltung ermöglichen. Formal bleibt Samsung damit Teil der IFA, physisch ist der Abstand jedoch erheblich.
Euronics-Vorstandssprecher Benedict Kober hat das auf der Euronics Summer Convention in Mallorca kommentiert: «Wir haben Samsung gegenüber klar kommuniziert, was wir davon halten. Wir haben gesagt: Leute, ich glaube nicht, dass ihr euch damit einen Gefallen tut. Weil kein Händler wird aus meiner Sicht das Messegelände verlassen, um zu Samsung und wieder zurück aufs Messegelände zu fahren.» Lindner selbst hat die Lösung als Kompromiss bezeichnet, also als beste verfügbare Option, nicht als Wunschergebnis.
Wer kommt
Xiaomi debütiert auf der IFA 2026. Der chinesische Konzern präsentiert erstmals sein Ökosystem «Human × Car × Home» dem europäischen Publikum: die Verbindung von persönlichen Endgeräten, Smart Home und vernetzter Mobilität. Für TK-Händler ist das keine abstrakte Zukunftsvision: Xiaomi ist im Smartphone-Segment längst ein relevanter Wettbewerber, und das vernetzte Ökosystem, das das Unternehmen in Berlin zeigen will, zielt direkt auf Produktkategorien, die der Fachhandel täglich verkauft. Zwischen 2026 und 2028 sollen 7,4 Milliarden Euro in KI-Forschung und Entwicklung investiert werden. Mehrere Europa-Premieren sind für September angekündigt.
TikTok Shop ist in der Retail Innovation Zone vertreten. Discovery Commerce – der Kauf, der direkt aus dem Content-Erlebnis entsteht – ist für den Fachhandel ein Thema, das er verstehen muss, auch wenn er selbst nicht auf TikTok verkauft.
Robotics zieht erneut ein: Die IFA plant einen Robotics-Laufsteg mit bis zu 20 Herstellern. Humanoide Systeme dienen ein Publikumsmagnet, aber auch als Vorgeschmack auf eine Technologie, die den Handel mittelfristig verändern wird. Robocup, der Roboter-Fussball-Wettbewerb, soll als weiteres Medienthema für Aufmerksamkeit sorgen. AMD ist nach einer Pause wieder dabei, Sigma hat nach seinem Auftritt im Creator Hub des Vorjahres nun einen eigenen Stand.
Blick auf das IFA-Messegelände Berlin: 2025 kamen über 220.000 Besucher aus 140 Ländern. Im September 2026 soll die Messe erneut öffnen
IFA BerlinWas der Fachhandel konkret bekommt
Für Händler ist die IFA 2026 vor allem wegen der Retail Innovation Zone interessant. Erstmals treten Euronics, ElectronicPartner und Expert in einer eigenen Handelszone mit Lounges, Masterclasses und Workshops zu Retail-Themen gemeinsam auf. Die Fachbesucher-Lounge öffnet täglich ab 8 Uhr, die Ausstellungshallen erst um 9.30 Uhr. Wer früh kommt, hat das Format für sich.
Lindner hat das Konzept so beschrieben: Ein zentraler Anlaufpunkt für alle handelsrelevanten Themen, statt das Gelände abzugrasen. Von Logistik-Dienstleistungen über digitale Tools bis zu Branchenworkshops: alles an einem Ort. Euronics veranstaltet zudem einen Tag vor der Messe ein exklusives Event für seine Mitglieder.
Der IFA Retail Leaders Summit findet am 3. September statt, also einen Tag vor Messebeginn. Im vergangenen Jahr kamen 150 internationale Top-Retailer mit einer kumulierten Kaufkraft von 44,8 Milliarden Euro.
Die thematische Richtung der IFA ist klar: KI nicht als isoliertes Feature, sondern als Infrastruktur des Alltags. Health Tech, Smart Living, vernetzte Mobilität. Ob die Branche dafür gerade die richtigen Rahmenbedingungen hat, ist eine andere Frage. Das Konsumklima bleibt schwach, die Kaufzurückhaltung spürbar. Die IFA Berlin 2026 findet vom 4. bis 8. September auf dem Messegelände Berlin statt.
Kommentare